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BORIS LURIE 2016

Buch, Regie und Text: Rudij Bergmann | 54 min

PLOT: Als ich den Künstler Boris Lurie im Zwielicht eines Hausflurs in der 66. Straße, East, in New York erstmals sah, da war sie greifbar nahe, seine Sehnsucht nach Europa. Und als wir die Atelier-Wohnung betraten - diese atemberaubende Collage der Erinnerung - da war mir klar: Lurie hatte die Konzentrationslager, die er gemeinsam mit seinem Vater überlebte, mental niemals ganz verlassen. Das war im Oktober 1996. Es war der Beginn einer langen Freundschaft, an deren Anfang ein Film stand. Der Fluxus- und Happening-Künstler Wolf Vostell hatte mich in seiner bekannten Eindringlichkeit auf Luries verstörende Bildwerke aufmerksam gemacht: KZ-Häftlinge, Gespenstergestatten zwischen Lebenshoffnung und Gebrochenheit; umzingelt von Pin-up-Girls in eindeutigen Posen. Keine pornografische Laune des Künstlers, sondern Konzept, um den Zusammenhang zwischen Sex und Macht, Reichtum und Korruption aufzudecken. Boris Lurie hatte die Schönen und die Nackten, die Vergasten und die Entkommenen zu seinem, wenn auch nicht zum einzigen, künstlerischen Thema gemacht. Stets jonglierend auf des Messers Schneide im Minenfeld zwischen voyeuristischer Lust und purem Entsetzen. In Kunst und Leben hat er weder vor dem einen noch vor dem anderen kapituliert. Dank der Boris Lurie Art Foundation und deren Direktorin Gertrude Stein - Boris' Galeristin und seine engste Vertraute - kann ich, zwanzig Jahre nach dem in Manhattan gedrehten Short-Movie, nun meinen fast einstündigen Film THE ART OF BORIS LURIE präsentieren. Einen Film, der zwar in Korrespondenz zur Retrospektive im Jüdischen Museum Berlin (JMB) 2016 steht, der aber geprägt ist von meinen zahlreichen Begegnungen mit Boris Lurie und seiner Kunst.

Meine Gesprächspartner im Film sind Cilly Kugelmann, Programmdirektorin des JMB, sowie Helmuth F. Braun, Kurator der Lurie-Ausstellung im JMB; Peter Weibel, Direktor des ZKM-Karlsruhe, Künstler und bekennender Boris-Lurie-Fan; der New Yorker Restaurator und Künstler Ron Morosan; der amerikanische Avantgarde-Filmer und Lurie-Freund Aldo Tam-bellini. Und natürlich Gertrude Stein und Boris Lurie...

Mein Film versteht sich als Dialog zwischen allen Beteiligten: Den Lebenden wie den Toten. Und in diesem Prozess der Rede und Widersprüche konnte und wollte ich nicht der Versuchung widerstehen, mir Luries Werk auch jenseits gängiger Interpretationen zu deuten. Bin ich doch der Überzeugung, dass nicht zuletzt riskante Ansichten und Meinungen den Diskurs über Kunst und Künstler vorantreiben.

Ich habe mich auf die Kunst des Künstlers konzentriert. Ist doch seine Kunst für mich der eigentliche Schlüssel zum Leben von Boris Lurie: 1924 in Leningrad geboren. 2008 in New York City gestorben. In Israel begraben.

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ÜBER RUDIJ BERGMANN: Der Muse(e)nfreund. Hektisch ist er nicht, der 1943 im Rheinland geborene Filmemacher und Kunstliebhaber Rudij Bergmann, wie man es von einem echten Fernsehmann erwartet hätte. Und er hat so viel zu erzählen, dass es schwierig ist, in seinen umtriebigen Gedankenfluß ein wenig Stringenz zu bringen. Über seine Jugend und Schulzeit schweigt sich der Autor beeindruckender Künstlerdokus zunächst aus. Erst nach Abschluss der Schule scheint es interessant geworden zu sein. Denn Bergmann wollte Schriftsteller werden, und veröffentlichte Gedichtbände. Seine eigentliche Liebe aber galt damals der Politik. Sein Engagement war so stark, dass er selber es als sein „ alter ego“ bezeichnet und das auch der Grund ist, warum er aus der Heimat später in den Südwesten zog. Und er vertrieb er sich die Zeit als Weltenbummler und Bohemien in Köln. „Ich wollte immer Dichter sein“, erklärt Bergmann, daher verkehrte er vorzugsweise in Künstlerkreisen, war aber zwischendurch auch einmal für drei Tage Filialleiter eines Feinkostgeschäftes. Sogar in dunklen rauchigen Jazzkellern spielte er Freejazz auf seinem Saxophon, - „ich führe noch immer ein ZickZackleben“. Durch sein Elternhaus erfuhr er eine gewisse politische Vorbildung, die das Kind Rudij Bergmann durch das Studium der Stücke Camus erweiterte. Die Bühne hat ihn weitergebildet. | INFO: http://kulturportal-rn.de/seite/rudij-bergmann/

KOMMENTAR: Leider erwähnt hier Rudij Bergmann nicht, wie und durch wen er überhaupt wirklich auf Boris Lurie gekommen ist, vergisst also vollkommen seine Hinweisgeber und gibt vor, durch Wolf Vostell auf Boris Lurie aufmerksam gemacht worden zu sein. Somit prahlt er hier mit seinen angeblichen egoistischen Künstlerbekanntschaften. Er kümmert sich auch nicht um eine investigative Kunstrecherche für seine Berichte. Somit trägt er dazu bei, Gertrudes verlogene Boris Beurteilungen zu dokumentieren und zu verherrlichen. Es lebe die Manipulation der Kunst gegen Bezahlung. [NO!art headquarters East - Dietmar Kirves]

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